Posts Tagged ‘Medienpolitik’

Interessenvermischungen zwischen Industrie und Forschung - wenn Geld wichtiger ist als Wissenschaft

Dienstag, August 8th, 2017

LobbyControl nimmt in seinem Sonder-Newsletter vom 14. Juli 2017 das Buch von Prof. Christian Kreiß über „Gekaufte Forschung“ (Kreiß, Christian 2015: Gekaufte Forschung - Wissenschaft im Dienst der Konzerne - Irrweg Drittmittelforschung. EUROPA VERLAG Berlin-München-Wien. ISBN: 978-3-944305-72-1) zum Anlass, auf den Einfluss von Konzernen auf Wissenschaft und Hochschulen aufmerksam zu machen. Denn Kreiß geht auf der Basis akribischer Recherchen davon aus, dass mittlerweile der Großteil der Forschung in Deutschland von der Industrie beeinflusst ist. Er stellt die Frage, ob die öffentliche Mission der Hochschulen noch gewährleistet sei. Als zentrales Problem gilt nach Kreiß: wer mit „Drittmitteln Forschung betreibe verliere seine Unabhängigkeit“ denn „geforscht wird, was Geld bringt“.

Als Beispiel nennt Kreiß das “Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft” (HIIG), gegründet 2011/12. Es stellt ein sog. An-Institut der Humboldtuniversität dar, für das aber GOOGLE der Haupt-Geldgeber ist. Dieser Internetkonzern hat anfangs 4,5 Millionen Euro für die ersten drei Jahre bereitgestellt und inzwischen ist die Finanzierung in der gleichen Höhe bis 2019 gesichert.

Die Arbeiten kreisen um Urheberrecht, Entrepreneurship, digitale Verwaltung, vernetzte Städte, Datenjournalismus, den Öffentlichkeitsbegriff, Medienregulierung, Konstitutionalismus. Auffällig viele juristische und wirtschaftsnahe Themen finden sich im Portfolio des Instituts, dagegen kaum geisteswissenschaftliche oder kommunikationsphilosophische Ansätze. (siehe auch Zeit-Artikel vom 16.12.2013: Internet-Institut kämpft gegen den Ruf als “Google-Uni”)

Für die kritischen Leser ist es in diesem Zusammenhang interessant zu erfahren, dass u.a. auch das „Hans-Bredow-Institut für Medienforschung“ (HBI) in Hamburg (das aktuell an der neu gegründeten „News Integrity Initiative“ (NII) beteiligt ist, die von Facebook und weiteren Unternehmen mit 14 Millionen Dollar finanziert wird) von Anfang an ein enger Kooperationspartner des HIIG war und bis heute ist.

Das Hans-Bredow-Institut erhielt von der Bundesregierung 2006 den Auftrag, ein Gutachten über den Stand der Medienwirkungsforschung und dessen Bezug zur Jugendmedienschutzregulierung zu erstellen. Durch dieses Gutachten, das 2007 vorgelegt wurde, nahm das HBI entscheidenden Einfluss auf die zukünftige Gestaltung der Medienkontrolle bei den Produkten einer milliardenschweren Games Industrie. Bereits 2008 wurde beim HM-Medienkongress von Universität und Hochschule München auf gewisse Abhängigkeiten deutlich aufmerksam gemacht.

Zwar liegt das zeitlich vor der Liaison mit dem HIIG, dennoch erscheint eine Verbindung recht wahrscheinlich, wie der Autor in seinem Vortrag auf dem HM-Medienkongress aufzeigen konnte.
Denn als Basis für das Gutachten im „wissenschaftlichen“ Bereich über Gewalt in Computerspielen diente insbesondere eine Expertise von Prof. Fritz (FH Köln). Neben wissenschaftlichen Unzulänglichkeiten und Fehleinschätzungen in diesem Sub-Gutachten wurde im Vortrag des Autors dieses Artikels ein entscheidender Zusammenhang aufgedeckt: Fritz hält ein gesetzliches Verbot solcher Gewaltspiele aus seiner Expertensicht „nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen“ für unnötig. Seine Schlussempfehlung lautet dann auch, dass Eltern und Pädagogen durch „Weiterbildung“ geschult werden sollen, solche Gewaltspiele zu akzeptieren und Kinder und Jugendliche dafür passend zu machen. Dazu, erklärt Fritz, müssten Kinder eine “Rahmungskompetenz“ entwickeln. Diese eigene Wortschöpfung und Beschreibung entbehrt jeder wissenschaftlich-psychologischen Basis. Es bedeutet jedoch nach seiner Logik, dass Töten und Foltern als „ästhetische Konvention“ akzeptiert werden sollen. In der Praxis soll dies umgesetzt werden, indem solche Rahmungsfähigkeiten vermittelt werden, z. B. in einem Institut wie „Spielraum“, einer Initiative von Herstellerkonzern Electronic Arts gemeinsam mit den Professoren Fritz und Kaminski an der Fachhochschule Köln. Von diesem Konzern wurde außerdem ein Lehrstuhl an dieser FH finanziert. Ein weiteres Musterbeispiel für die Kernaussage in „Gekaufte Forschung“.

Hier allerdings mit fatalen Folgen, denn von der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK), einer freiwilligen Einrichtung der Computerspielewirtschaft, werden bis heute zunehmend Spiele freigegeben, die mit menschenverachtenden Gewaltexzessen den Spieleherstellern und -vertreibern Milliardengewinne einfahren. Diesen Freibrief hat das Bredow-Institut mit zu verantworten, die allzu (gutachter-)gläubigen Politiker, und die Politiker, denen der Wirtschaftsstandort Deutschland einer expandierenden Games Industrie wichtiger ist als das Wohl unserer Kinder. Und es gibt sehr viele, die vor der Wirtschaft in die Knie gehen.

Dr. Rudolf H. Weiß

Zur Wirkung der Propaganda des IS auf Exzessiv- und Daueruser von Mainstream-First-Person-Shootern

Freitag, September 18th, 2015

wie Grand Theft Auto 5 (GTA5) oder Call of Duty, Modern Warfare 2 (Cod-MW 2)

Ergänzung zum BLOG-Eintrag von Rudolf H. Weiß vom 5. Februar 2015, Titel „Völlig unzulänglich“

Resümee meines Vortrages bei der Jahreskonferenz des Vereins „Mediengewalt-Internationale Forschung und Beratung e.V. am 18.4.2015 zum Thema „Konsum von Mediengewalt und die Dschihadisten“.

Zu meiner Hypothese über die Wirkung der Propaganda des IS auf Daueruser von brutalen Mainstream-First-Person-Shootern bei uns und anderswo im “Abendland” ist das, was ich im BLOG vom 5. Februar 2015 geschrieben habe zwar kein Nachweis im rein statistischen Sinn, jedoch ein deutlicher Beleg. Auf die Spur haben mich diverse Internetmeldungen bereits im letzten Oktober 2014 und die Statistiken des BKA zur Herkunft dieser sog. “Heiligen Krieger” gebracht, die es von uns aus in den Irak oder nach Syrien zum “IS” zieht. Ich habe das bereits in meinen Berliner Vortrag bei „Sichtwechsel e.V.“ in der Konrad Adenauerstiftung im November 2014 eingebaut (siehe www.mediengewalt.eu/Vorträge). Leider hatte das BKA nur den üblichen familiären, sozialen und bildungsspezifischen Background im Visier. Sonst wüssten wir schon mehr, wenn sie auch den brutalen Ego-Shooter Konsum dieser festgestellten 70% „Problemfälle“ (Schulabbrecher, Arbeitslose, fam. Defizite, Loser usw….) erfragt hätten. Das hab ich auch Herrn Staatssekretär Lange ins Bundesjustizministerium schriftlich mitgeteilt. Vielleicht tut sich da doch mal was.
Die Propagandaabteilung des IS soll ja professionell clever und mit allen Raffinessen ausgestattet arbeiten, sodass sich sogar Reichspropagandaminister Göbbels was davon hätte abschneiden können. Insofern ist das schon eine Bestätigung meiner Hypothese (mehr als “Facevalidity”), denn ohne Gewissheit durch praktische Erfolgsnachweise und über das Wissen der Wirkmechanismen dieser Werbemethoden würden sie ihre Strategie nicht gezielt auf solche Kriegsshooter ähnliche Propagandavideos setzen. Dazu ein Zitat, das aus einem auf YouTube veröffentlichten Propaganda-Clip der Islamisten stammt. Dieses zeigt Spielszenen aus dem Mainstream-First-Person-Shooter „Grand Theft Auto 5“ und wirbt mit: „Wir machen im echten Leben, was du im Spiel machst!“
Die US-Amerikaner haben es ihnen ja auf einfacherem Niveau vorgemacht mit ihrer Rekrutenwerbung, u.a. durch den speziell dafür entwickelten Egoshooter “Americas Army”, und das schon vor 15 Jahren. Und was noch dazu kommt bei der „Heiligen Krieger-Werbung“: die IS-Werbestrategen können sich auf einen riesigen Pool von Millionen Kids stützen (fast zwei Drittel aller männlichen Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren sind User von brutalen Gewaltspielen), von denen ich anhand der Nutzungsstudien mindestens 5% als ‚anfällig‘ für solche Werbemethoden einschätze. Das sind die abhängigen Zocker mit mehr als 5 Stunden täglichen Konsums. Da kommen auch gut ein paar Millionen zusammen. Vielleicht wissen das auch die salafistischen Hassprediger, die dann den „religiös-ideologischen“ Überbau als Motivationsspritze einsetzen, wodurch „verletzliche Spieler“ besonders fanatisiert werden. Nach einer „medialen Gehirnwäsche“ folgt die angeblich religiös begründete der salafistischen Hassprediger. Vielleicht kennt die Propagandaabteilung sogar meine neuesten Nutzungsstudien über GTA 5 und Call of Duty bei uns in der Website von www.mediengewalt.eu/Forschung/ . Dann hätten wir uns sogar unfreiwillig zu Unterstützern instrumentalisieren lassen. Aber sie können ja auch im Internet die gigantischen Verkaufszahlen dieser brutalen Ego-Shooter recherchieren.

Beitrag mit Anhängen als pdf

Interview mit Dr. Sabine Schiffer

Montag, April 28th, 2014

Heute erschien in der taz ein Interview mit Dr. Sabine Schiffer über Mediengewalt, Bildung, Framing und Lobbyismus, Computerspiele, Pädagogik in Schule und Elternhaus - unbedingt lesenswert!

Kurzbericht - Nutzung von GTA V bei Minderjährigen

Dienstag, Februar 4th, 2014

Der Shooter des Jahres 2013 - Grand Theft Auto V (GTA V), von der USK ab 18 Jahren freigegeben - wurde gerade mal zwei Monate nach der Markteinführung, die im September 2013 erfolgte, bereits von fast jedem(r) zweiten Schüler(in) des 8. Schuljahres (Altersdurchschnitt 13,4 Jahre) gespielt und das, obwohl es aus „technischen Problemen“ noch gar keine PC-Version gibt!

Der Medienforscher Dr. R.H. Weiß ließ im November/Dezember 2013 durch Beratungslehrer/innen bei 316 Schülerinnen und Schüler aus zwei Bundesländern die Nutzung durch Minderjährige in einer “Blitzumfrage” in fünf Schularten erheben.
Die Spieleranteile sind bei den Jungen mit 62 % im Vergleich zu einer vergleichbaren Erstbefragung zu GTA IV vor fünf Jahren um 9% höher, bei den Mädchen sogar um 15%. Der Anteil der Mädchen hat sich mit 30% nahezu verdoppelt! Die starke Zunahme gilt für alle befragten fünf Schularten mit insgesamt 316 Befragten. Fast 2/3 der Eltern ist es egal, ob ihr Kind GTA V spielt.

Als Resümee stellt er in seinem Kurzbericht fest: Der Jugendschutz ist so gut wie nicht existent. Die brutale Shooter spielenden Schüler/innen sind von Jahr zu Jahr jünger und die Zahl der Shooter spielenden Mädchen nimmt stark zu.

Den vollständigen Kurzbericht finden sie hier als pdf-Download

Leserbrief zu “Die Jünger von Littleton”

Mittwoch, Januar 15th, 2014

Der Artikel “Die Jünger von Littleton” in der Ausgabe 48/2013 des Spiegel-Magazins ist hier auszugsweise nachzulesen.
Zu diesem Artikel hat der Verein Mediengewalt einen Leserbrief geschrieben, den wir in voller Länge hier veröffentlichen:

„Die Jünger von Littleton“
Leserbrief für den SPIEGEL Nr. 48/2013
„Die Jünger von Littleton“
Die medial induzierten psychodynamischen Prozesse bei den Amoktätern fast aller Schulmassaker werden sowohl bei der Kriminologin Bannenberg als auch bei dem zitierten Psychiater Nedopil nur unzureichend gewürdigt. Narzisstische Tötungsphantasien, fehlende Anerkennung, gefühlsarmes Elternhaus, schwarzes Outfit, Leidenschaft für Waffen, oder Persönlichkeitsstörungen werden zwar bei Amoktätern häufig beobachtet, allein oder auch im Kontext betrachtet stellen sie jedoch keinen hinreichenden Grund für ein Schulmassaker dar. Auch ‚Gewaltspiele lösen nicht automatisch Gewalt aus‘, sie können aber den Hass verstärken, die Gewaltspirale in Gang bringen, für den Tatablauf eine Handlungsanweisung bieten aber auch den Tropfen darstellen, der das Fass des Hasses zum Überlaufen bringt.
Deshalb haben nach dem letzten schrecklichen Schulmassaker mit 20 ermordeten Grundschulkindern im Dezember 2012 mehr als 200 renommierte Psychologen, Medienforscher und fachliche Institutionen in einem „Positionspapier“ appelliert, den Einfluss extremer Gewaltmedien mehr Beachtung zu schenken. Siehe im BLOG von www.mediengewalt.eu. Dieser Appell sollte auch hierzulande bei Politikern und in den Schulen bei der Gewaltprävention Gehör finden.

DR. RUDOLF H. WEISS, AUENWALD (BAD.-WÜRTT.)
Dipl. Psych., Psychologischer Medienforscher.
Für den Verein „Mediengewalt-Internationale Forschung und Beratung e.V.“
www.mediengewalt.eu

Diesen Leserbrief finden Sie als pdf hier.

Wir werden diese Seite aktualisieren, sobald wir von einer Veröffentlichung erfahren.

Aktualisierung am 15.01.2014: es hat keine Veröffentlichung stattgefunden

Pressespiegel

Montag, November 18th, 2013

Auf die Veröffentlichung der Studie zum Shootermissbrauch und die daraus resultierende Infragestellung des Jugendmedienschutzes gab es ein Presseecho:
Die Neue Rheinische Zeitung veröffentlichte die Pressemeldung in diesem Beitrag - Zitat:

Besonders bedenklich ist es, dass sich die Zahl der Jungen mit extrem langem und täglichem Zocken ebenfalls verdoppelt hat. Damit wird zum wiederholten Male die Wirkungslosigkeit des Jugendmedienschutzes bei elektronischen Gewaltmedien belegt.

Den Artikel als pdf herunterladen

Außerdem erschien ein Artikel in der Backnanger Kreiszeitung, die schon häufiger kritisch über Gewaltspiele berichtet hat, nachzulesen hier. Ein Auszug:

Der Medienpsychologe erkennt zweifelsfrei gewaltfördernde Wirkungen dieser Spiele. Zudem sieht er die Vielfalt von Lebenserfahrungen durch solche Medien eingeschränkt und letztlich die Entwicklung der Heranwachsenden zu einer eigenständigen, informierten und kritischen Persönlichkeit gefährdet.

Den Artikel als pdf herunterladen

Wir wünschen uns, dass diese wichtigen Erkenntnisse und Warnungen weitere Verbreitung finden, und sich möglichst viele Menschen mit den Wirkungen und Folgen brutaler Spiele auf Jugendliche beschäftigen.

Gigantischer Missbrauch brutaler „Shooter des Jahres“ durch Kinder und Jugendliche stellt Jugendschutz in Frage

Mittwoch, Oktober 9th, 2013

Der Medienforscher Dr. Rudolf H. Weiß hat im September 2013 seine zusammenfassende Nutzungsstudie über das Spielverhalten Jugendlicher mit einem Beobachtungszeitraum von insgesamt fünf Jahren veröffentlicht:

Seit 2008 wurden insgesamt 837 Schülerinnen und Schüler aus allen traditionellen Schularten und aus drei Bundesländern nach ihren Nutzungsgewohnheiten bezüglich der jeweiligen Mainstreamshooter mit identischen Fragestellungen befragt. So wird u.a. berichtet, dass im Verlauf von knapp fünf Jahren der Anteil der durchschnittlich 14,1 Jahre alten Jungen, die den Mainstreamshooter spielten, stark angestiegen ist: von 53% bei Grand Theft Auto IV im Jahre 2008 bis auf 67% bei Call of Duty-Black Ops2 im Jahre 2013. Die Anzahl der Jungen, die den Kriegsshooter aber schon ganz durchgespielt haben, hat sich seit Call of Duty-Modern Warfare 2 im Jahre 2010 verdoppelt, denn jeder zweite 14-jährige Schüler hatte 2013 Black Ops2 bereits ganz durchgespielt. Auch der Besitz des jeweils verkaufsstärksten Shooters hat sich im Verlauf von vier bis fünf Jahren verdoppelt.

Besonders bedenklich ist es, dass sich die Zahl der Jungen mit extrem langem und täglichem Zocken ebenfalls verdoppelt hat. Damit wird zum wiederholten Male die Wirkungslosigkeit des Jugendmedienschutzes bei elektronischen Gewaltmedien belegt. Immer weniger können sich den gigantischen Werbekampagnen durch Hersteller und Vertreiber dieser Spiele entziehen, der systematisch mindestens ein halbes Jahr vor der Markteinführung im Herbst des jeweiligen Jahres, über alle denkbaren Kanäle und Medien beginnt.
Bei der GamesCom in Köln wird immer im August der Startschuss gegeben und der neueste brutale Shooter in Szene gesetzt, so wie für dieses Jahr GTA V mit Blick auf das Weihnachtsgeschäft. SPIEGEL-ONLINE berichtete am 16.9.2013 ausführlich über diesen extrem brutalen, ab 18 freigegebenen, Shooter unter http://www.spiegel.de/netzwelt/games/test-24-stunden-mit-grand-theft-auto-v-a-922457.html. Bevor der Spiegel-Autor Christian Stöcker nach seinen berichteten 20 Stunden an Spielerfahrung im Selbstversuch neugierig weiter mit GTA V zockt, sollte er sich allerdings einmal in die Rolle eines 14 Jährigen versetzen, der vermutlich die im November erscheinende PC-Version auf seinem diesjährigen Gabentisch zu Weihnachten schon sehnlichst erwartet. Dieser aktuelle Artikel auf Spiegel-Online vom 07.10.2013 ruft nach einem notwendigen „Skandal“ da in Shootern ständig gegen die elementarsten Menschenrechte verstoßen wird: http://www.spiegel.de/netzwelt/games/wasd-menschenrechte-in-kriegs-shootern-a-924707.html

Da es bei Nutzungsstudien primär um Spieldauer, Spielformen allein oder in der Gruppe, Beschaffungsarten und Beschaffungswege geht, kann von Herrn Weiß keine Aussage über Medienwirkungen gemacht werden. Dies ist anderen Untersuchungsprojekten vorbehalten, an denen Wissenschaftler des Vereins „Mediengewalt-Internationale Forschung und Beratung e.V.“ ebenfalls vielfach beteiligt sind (siehe unter www.mediengewalt.eu bei “Forschung”). Die vollständige Nutzungsstudie finden Sie hier: www.mediengewalt.eu/blog.

Abschließend möchten wir unseren eindringlichen Appell als verantwortungsbewusste und unabhängige Medienwissenschaftler von „Mediengewalt e.V.“ an die politischen Entscheidungsträger wiederholen, über solche besorgniserregenden Ergebnisse von Nutzungsstudien ernsthaft nachzudenken, vor der Wirtschaft nicht länger in die Knie zu gehen und endlich Konsequenzen für den Jugendmedienschutz-Staatsvertrag der Länder zu ziehen.

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Nutzung brutaler Computerspiele mit USK-Kennzeichen 18+ durch 14 Jährige

Dienstag, September 3rd, 2013

Gesamtbericht aus vier Nutzungsstudien 2008 - 2013

Seit 2008 wurden von Rudolf H. Weiß insgesamt 837 Schülerinnen und Schüler aus allen traditionellen Schularten und aus drei Bundesländern nach ihren Nutzungsgewohnheiten bezüglich der jeweiligen Mainstreamshooter des Jahres mit identischen schriftlichen Fragenstellungen befragt. Eine Bilanz der Nutzungsdaten für die meistverkauften Ego- bzw. Kriegsshooter von 2008 bis 2012/13 - Grand Theft Auto IV, Call of Duty-Modern Warfare 2 und Call of Duty-Black Ops2 - bei 14 jährigen Schülern mit eine bedenklichen Steigungsrate von 26% bei den Jungen wird anschaulich dargestellt, der gigantische Werbemarkt transparent gemacht und die Wirkungslosigkeit des Jugendmedienschutzes bei brutalen elektronischen Gewaltmedien belegt.

Da neben den gewaltfördernden Wirkungen auch die Vielfalt von Lebenserfahrungen durch solche Medien eingeschränkt und letztlich die Entwicklung der Heranwachsenden zu einer eigenständigen, informierten und kritischen Persönlichkeit behindert wird, besteht Handlungsbedarf. Deshalb wird an die politischen Entscheidungsträger der dringende Appell gerichtet, über solche referierten besorgniserregenden Ergebnisse von Nutzungsstudien bei 14 Jährigen ernsthaft nachzudenken, damit ein wirkungsvoller Schutz unserer Kinder und Jugendlichen nicht weiter auf der Strecke bleibt.
Die bislang jedoch weitgehend untätige Medienpolitik wird für die fehlenden nachhaltigen Konsequenzen für den Jugendmedienschutz durch einen novellierten Jugendmedienschutz-Staatsvertrag der Länder verantwortlich gemacht, weil sie vor der Spieleindustrie mit ihrer gewaltigen wirtschaftlichen Macht und deren Lobbyeinflüssen kapituliert. Die Angst vor einem Stimmenverlust bei den Jungwählern verstärkt dieses Desaster vollends.

Vorspann
Gesamtstudie

Product Placement bei ARD/ZDF

Freitag, August 23rd, 2013

Eigentlich hätte das Morgenmagazin vom 21.08. mit dem Bericht zur GamesCom als “Dauerwerbesendung” gekennzeichnet sein müssen – Screenbilder (mit martialischen Figuren und incl. Waffengefuchtel), Beurteilungen, Preise, Kaufempfehlungen, keine einzige kritische Stimme zu dem ganzen Zirkus? Von den öffentlich-rechtlichen Sendern haben wir mehr erwartet.

60 Jahre Bundesprüfstelle

Dienstag, Juli 23rd, 2013

Wir vom Verein Mediengewalt gratulieren der Bundesprüfstelle zum Jubiläum, bedanken uns für die Arbeit und wünschen noch mehr Biss für die Zukunft! Vor allem wollen wir sie darin bestärken, dass Möglichkeiten zu ihrer Umgehung abgeschafft werden, damit das Verharmlosen gewalthaltiger Medienprodukte effektiver verhindert werden kann.

Vor 60 Jahren, am 14. Juli 1953, trat das vom Deutschen Bundestag beschlossene “Gesetz über die Verbreitung jugendgefährdender Schriften” (GjS) in Kraft. Um dieses Gesetz durchzusetzen, wurde eine Behörde gegründet mit dem Namen “Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften”, die dann am 18. Mai 1954 ihre Arbeit aufnahm. Seitdem hat sich viel verändert.

Durch Computer und Internet sind neue, damals noch unbekannte Medien hinzugekommen und haben das Verhalten und den Alltag der Menschen verändert. Aktuell verändert sich alles weiter durch die mobilen Nutzungsgeräte (Tablets, Smartphones), jedes dieser Endgeräte bringt neue Software mit sich, neue Anwendungsmöglichkeiten (Stichwort Augmented Reality) und auch neue Risiken, die am Anfang noch gar nicht leicht einzuschätzen und zu überblicken sind. Es ist keine leichte Aufgabe, dort Schritt zu halten und ein wachsames Auge auf der Entwicklung zu haben. Die Bundesprüfstelle hat sich mit den Aufgaben weiterentwickelt, was sich auch im Namen widerspiegelt: Seit 1. April 2003 heißt sie “Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien”, kurz: BPjM.

Für die Zukunft müsste der Fokus verstärkt auf die sog. „neuen Medien“ gerichtet werden, da Gewaltspiele für Computer, Onlinespiele, youtube-Videos, Apps für das Smartphone usw. einen immer größeren Raum einnehmen und unsere Kinder und Jugendlichen auf eine Art in ihren Bann ziehen, der noch gar nicht zu überblicken ist. Im Gegensatz zu gesponserten Versuchen der IT-Branche über zweifelhafte „Studien“ weist die seriöse Forschung nach, wie schädlich sich gewalthaltige Medienprodukte auswirken – dies umso nachhaltiger, je jünger der Konsument ist. Darum ist die Arbeit der BPjM von nicht zu unterschätzendem Wert und verdient die entsprechende Aufwertung und Unterstützung.

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