Stakeholderpanel zu neuen elektronischen Medien veröffentlicht

Das sog. “Stakeholder Panel” dient dem Austausch zwischen politischen Entscheidungsträgern und gesellschaftlichen Akteuren (jeder kann sich anmelden) und führt regelmäßige Befragungen zusammen mit dem Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag durch.

Ende März wurde das Ergebnis der Onlinebefragung zum Thema “Neue elektronische Medien und Gefahrenpotenziale exzessiver Nutzung” veröffentlicht, die pdf ist auf dieser Seite öffentlich abrufbar:
https://www.stakeholderpanel.de/publikationen/

Direktlink zur pdf

Uns erschienen die folgenden Punkte besonders bemerkenswert:

  • Seite 24/25 des pdf-Dokuments:

    Zu Chancen und Risiken der Mediennutzung

    Die Frage nach den Chancen und Risiken der Mediennutzung wurde im Fragebogen durch eine offene Frage ergänzt. Die Befragten haben die Möglichkeit genutzt, sich an dieser Stelle zu positionieren (521 Kommentare). [...]
    Bemerkenswert ist, dass die Vertreter aller Stakeholdergruppen hier verstärkt Risiken adressieren. Von allen Kommentaren beziehen sich 31,7 % auf Chancen und 68,3 % auf Risiken der Mediennutzung. Kritisches Feedback wird vor allem von den Stakeholdergruppen Wissenschaft/Forschung/Bildung, Bürger- und Verbraucherorganisationen, Zivilgesellschaft sowie insbesondere von denjenigen Befragten formuliert, die in einer therapeutischen, beratenden oder medizinischen Rolle mit exzessiver Mediennutzung in Kontakt kommen.

  • S. 28

    Vereinsamung und Realitätsverlust

    Über die abnehmenden Kommunikationsfähigkeiten hinaus sehen viele Stakeholder die Gefahr der Vereinsamung und des Realitätsverlusts durch die exzessive Mediennutzung (87 Nennungen). So wird gemutmaßt, dass eine exzessive Mediennutzung bei vielen Personen zu verstärkter Isolation und Vereinsamung führen wird, die (exzessiven) Nutzer die virtuelle Welt der realen Welt vorziehen und somit realweltliche Kontakte vernachlässigen und letztlich verlieren.

    Diese Personen würden sich in Parallelwelten zurückziehen, um den Problemen in ihrem sozialen Umfeld zu entfliehen und sich diesbezüglich eine Ersatzrealität aufbauen. Dies könne nach Einschätzung der Stakeholder zu einem Realitätsverlust führen.

  • S. 35

    Verbote/Regulation unnötig bzw. nötig

    Die gesellschaftlichen Stakeholder weisen in ihren Kommentaren auch darauf hin, dass Verbote oder Regulationen im Umgang mit exzessiver Mediennutzung wenig Erfolg versprechen (90 Nennungen). Verbote oder Regulationen würden immer auch Personen betreffen, die keine Probleme mit exzessiver Mediennutzung haben, dennoch aber in ihrer Mediennutzung eingeschränkt werden würden. Als Argument wird eine Analogie zum Jugendmedienschutz gezogen und moniert, dass strenge Kennzeichnungen auch volljährigen Nutzenden den Erwerb von Medienprodukten erschweren, da Händler Angebote dieser Art (mehr oder weniger oft) aus ihrem Sortiment entfernen. Des Weiteren wird vermutet, dass gerade Verbote auf das Interesse von Kindern und Jugendlichen besonders einwirken und daher insbesondere verbotene Medienprodukte bzw. Medienangebote besonders interessant werden. Außerdem wird bezweifelt, dass technische Maßnahmen zur Durchsetzung etwaiger Verbote erfolgreich funktionieren, da sie durch viele Nutzende leicht ausgehebelt werden können.
    Demgegenüber existieren auch Stimmen unter den befragten Stakeholdern, die Regulationen bzw. punktuelle Verbote nicht ausschließen möchten (74 Nennungen). So wird darauf verwiesen, dass exzessive Mediennutzer
    gerade durch die Anbieter von Medienangeboten im Internet gezielt identifiziert werden können und damit ein guter Ansatzpunkt für die Installation von Schutzmechanismen bestünde. Zudem werden auch partielle Verbote von »Free to play«-Angeboten oder strengere Altersbegrenzungen für einzelne Plattformen angeregt.

  • Die Wahrnehmung der Befragten spiegelt langjährige und immer wieder angezweifelte bzw. ignorierte Forschungsergebnisse wieder. Die Frage ist nun, was jetzt mit diesen Ergebnissen passieren wird, werden diese Meinungen gehört und beachtet?

    Tags: , , , , , , ,

    Leave a Reply