Archive for Februar, 2015

Eltern, macht euren Job!

Donnerstag, Februar 12th, 2015

Nicht Leistungsdruck überfordert unseren Nachwuchs, sondern Eltern, die ihren Job nicht richtig machen.

Das ist das Resultat einer exklusiven tiefenpsychologischen Studie im Auftrag des stern.

Die Studie zeigt, dass das Spielen am Computer aus diesem Grund sehr an Bedeutung für die Kinder gewonnen hat, da in den virtuellen Welten eindeutige Regeln herrschen und klar zwischen Gut und Böse unterschieden wird. “Computerspiele muss man neu bewerten”, sagt Rheingold-Chef Grünewald. “Sie sind Erweiterungen unserer Realität, aber auch ein Angebot, sich in einem festen Rahmen zu bewegen. Gegen gelegentliches Spielen ist nichts einzuwenden, solange das Internet nicht zum Internat wird.”

Wobei Kinder ja nun auch für das Spielen am Computer einen festen Rahmen, Grenzen und Begleitung brauchen, und Eltern die ihren Job richtig machen. Wenn das nicht mal im normalen Alltag klappt, wie soll es dann ausgerechnet im Bereich Computerspiele hinhauen?

Das Resultat sind Kinder, die sich selbst überlassen Spiele spielen, für die sie die nötige geistige Reife noch gar nicht haben, und die stundenlang spielen weil sie nichts sonst mit sich anzufangen wissen.

Vortragsmanuskript: Die seelische Entwicklung unserer Kinder und das audio-visuelle Angebot

Donnerstag, Februar 5th, 2015

Am 3. November 2014 hielt Dr. Rudolf Weiß in Berlin den Vortrag “Die seelische Entwicklung unserer Kinder und das audio-visuelle Angebot”, in Kooperation mit ‚Sichtwechsel e.V. für gewaltfreie Medien‘ und der Konrad-Adenauer-Stiftung.

Das Vortragsmanuskript wurde nachträglich erweitert mit dem Resümee der Nutzungsstudien zu den Mainstream-Shootern von 2008 bis 2013 und dem Anhang ab S. 24: Die größten medien-pädagogischen, medien-wissenschaftlichen und medien-politischen Irrtümer.

Die Vorrede von Dipl.Psych. Thomas Haudel “In Bilderfluten untergegangen” können Sie ebenfalls als pdf herunterladen.

Völlig unzulänglich

Donnerstag, Februar 5th, 2015

Ein Mehr an Skandalisierung für Militär-Shooter, wie der ‚Call of Duty‘- Serie, die übrigens bereits von zwei Drittel der 14 jährigen Jungen gespielt werden, ist längst überfällig, die bisher greifenden Methoden sind völlig unzulänglich.

Der Medienforscher (und Vorstandsmitglied von Mediengewalt e.V.) Rudolf Weiß vermutete in einem Vortrag in der Konrad-Adenauerstiftung in Berlin am 3. November 2014 , dass “die aus Deutschland und anderen westlichen Ländern nach Syrien in den ‚heiligen Krieg‘ ziehenden Dschihadisten nicht nur in Salafistenschulen fanatisiert wurden, sondern Vieles von dem was sie dort an realen Gräueltaten vollbringen, unzählige Male in den virtuellen Kriegsspielen quasi ‚einübten‘. In Syrien können sie dann diese virtuellen Grausamkeiten endlich auch einmal real vollziehen ohne dafür bestraft zu werden. Kriminalpolizeiliche Ermittlungen und effektive Gewaltprävention dürfen solche Erkenntnisse nicht außen vor lassen und sich nicht nur auf soziale Randgruppen und Versagermentalität beschränken.” (Seite 10 des Vortragsmanuskriptes)

Der französische Islamexperte Olivier Roy und weitere Experten bestätigen inzwischen diese Hypothesen. Z. B. in einem hochinteressanten SPIEGEL Interview (Ausgabe vom 17.1.15, Seite 90-92 - “Hauptsächlich Held sein”) sagt Roy, dass insbesondere junge Muslime in Frankreich deshalb von der Gewalt so stark fasziniert sind, weil diese Menschen in einer Kultur der Gewalt aufwachsen. Dem Kölner Stadtanzeiger und der Berliner Zeitung sagte er kürzlich, ähnlich wie im SPIEGEL Interview, dass ihre hohe Gewaltbereitschaft ihren Grund auch in gewaltverherrlichenden Videospielen und brutalen Gewaltfilmen hat.

Die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) ist im Internet äußerst aktiv und versucht vor allem junge Männer aus dem Westen zu rekrutieren. Auch Propagandavideos sollen den Terroristen-Nachwuchs dazu animieren, im Irak und in Syrien zu kämpfen. Die neueste Zielgruppe: Computerspieler. Ein auf Youtube veröffentlichter Propaganda-Clip der Islamisten zeigt Spielszenen aus „Grand Theft Auto 5“ und wirbt: „Wir machen im echten Leben, was du im Spiel machst!“

Wohlgemerkt, “Grand Theft Auto 5″ (GTA 5) wurde durch Rudolf Weiß in schulartrepräsentativen Schülerbefragungen in 8. Klassen in Ba-Wü und Niedersachsen vor gut einem Jahr empirisch auf seine Nutzung durch Kinder und Jugendliche analysiert, kurz nachdem es auf den Markt kam. Bitte schauen Sie sich die Ergebnisse in diesem kleinen Forschungsbericht an.
Bereits 62% der befragten 13-14 Jahre alten Jungen spielten zum damaligen Zeitpunkt (Dezember 2013) diesen von der USK ab 18 Jahren freigegebenen extrem brutalen Kriegs-Egoshooter mit menschenverachtenden und enthemmenden Spielszenen.

Die Propagandaabteilung des IS macht sich dieses Wissen für ihre eigenen menschenverachtenden grausamsten Handlungen zu eigen.
Dieser Bestseller-Shooter ist so voller brutaler Grausamkeiten, dass er auf den Index gehörte, so wie alle seiner Vorgänger “GTA 4″ oder auch die “Call of Duty-Serie”, die Rudolf Weiß seit 6 Jahren zu den Nutzungsgewohnheiten bei 13-14 Jährigen empirisch analysiert hat.
Hier geht der Jugendmedienschutz vor den Profitinteressen der einschlägigen Wirtschaft in die Knie. Dies bereitet uns große Sorge!

Solange ein solches Videospiel eine Alterskennzeichnung von der USK erhält und im Handel verkäuflich ist, darf es auch mit einem gigantischen Werbeaufwand in allen Medien beworben werden. Die Appelle, die man leider viel zu selten von der Politik an die Adresse der Eltern hört und das untaugliche Alibi der Vermittlung von “Medienkompetenz” bewirken so gut wie nichts. Man kann dieses Modell für gescheitert erklären. Dies können wir wissenschaftlich belastbar belegen.
Entscheidend ist aber, dass sich die Freiwillige Selbstkontrolle (USK) permanent um ein Verbot herummogelt, indem sie verhindert, dass solche Videospiele zur endgültigen Entscheidung der wirtschaftsunabhängigen “Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien” (BPjM) zwingend überstellt wird.